Quartierwerkstatt Honsberg in Remscheid

Eingeladener Wettbewerb, Ankauf



Die Werkstatt soll ein neuer sozialer Ort werden auf dem Honsberg,  ein abgelegenes Quartier in Remscheid mit sehr viel Leerstand und wenig urbanen Qualitäten. Hier sollen Kinder und Jugendliche gemeinsam hämmern, sägen, hobeln und schrauben  und auch eine Ausbildung machen können. Es sollen gemeinschaftliche und integrative Aktivitäten stattfinden mit den Bewohnern, die mehrheitlich einen Migrationshintergrund haben. Das Gebäude soll in ressourcenschonender Bauweise gebaut und räumlich wandelbar sein und vor allem genügend Freiräume für die spätere Aneignung durch verschiedene Nutzergruppen bieten. Teil des Projektes ist auch ein neuer Stadtteilgarten auf dem gegenüberliegenden Grundstück. 

Der Honsberg
Mit seiner Lage ist der Honsberg eine Insel in der Stadt, geprägt durch das Aggregat verschiedener Siedlungsbauten aus den 1920-ern, die sich mit traditionellen Dächern an die lebendige Topografie ansiedeln. Strassenzüge mit privaten Fassaden bilden klare Grenzen zwischen Aussen und Innen. Starke Qualitäten sind die nicht allzu dichte Bebauung in einem menschlich angenehmen Massstab, mit vielfältigen architektonischen Merkmalen und grosszügigen Aussenräumen, die den Blick ins bergische Land freigeben. Was aber liegt dazwischen? Was geht darüber hinaus?   Was können architektonische Merkmale eines neuen identitätsstiftenden Gebäudes sein?  Der Ort wirkt lebendig, durch die vielfältige Zusammen- setzung unterschiedlichster traditioneller Dachtypologien. Hier und da findet man verschiedene Ausführungen des ortstypischen Fachwerkhauses, mit lehmigen Füllungen, schwarzem Schiefer, dunkel-grünen Klappläden, mint-grün gestrichen Holzfassaden und geschmückten Holzerker-Balkons, die möglichst, weit oben ihren Blick der Aussicht und Sonne entgegen strecken. Auch die Bewohner beleben mit ihren individuellen Migrationsgeschichten den Ort.

Das gemeinschaftliche Dach
Der Neubau orientiert sich in seiner Positionierung auf dem Grundstück am Bestand, ordnet sich dem städtebaulichen Kontext unter und fügt sich der Topografie des Hanges. Prägendes gestalterisches Element ist das große identitätsstiftende und gemeinschaftliche Dach. Das Dach wird zum neuen Ort. Ein Ort, der Begegnungen, wo man die eigene Geschichte weiterspinnen kann. Es ist mehr als nur Innen oder Außen. Es beherbergt, bietet Schutz, definiert einen Ort der Gemeinschaft, ähnlich einer Markthalle. Hier kann an einem geschützten Ort diskutiert, verhandelt, gespielt, gegessen, gefeiert, musiziert oder gewerkelt werden.
Das Dach ist auch Energieträger. Die Solarelemente werden in die Dachhaut integriert. Solarschindeln leisten einerseits einen grossen ökologischen Beitrag, knüpfen aber gleichzeitig an die Geschichte des Ortes an, indem sie an die ortsspezifischen traditionellen Schieferdächer erinnern. Eingebettet in extensiver Begrünung findet auch die Technik hier ihren Platz.

Die grosse Werkstatt
Das Gebäude im Schnitt in zwei unabhängige Bereiche geteilt und über den Weg im Garten miteinander verbunden: Im erdigen „Strassen“-Geschoss, befindet sich die Grosse Werkstatt. Sie ist ebenerdig an den bestehenden Strassen-raum angeschlossen. Als grosser Raum gedacht, kann sie in verschiedene Bereiche aufgeteilt werden. Es gibt fixe Teilungen mit Trennwänden und Schiebetüren sowie flexible mit Vorhängen oder rollenden Elementen. Im Planungsprozess sollen Fassendenöffnungen, die Raumteilungen, Nutzungen, Oberflächen und Möbelkonzepte zB der Siebdruck des textilen Sonnenschutzes, mit Beteiligung der Nutzer*innen und Betreiber*innen in partizipativen Workshops abgestimmt und optimiert werden.

Der Community Raum
Im oberen „Garten“-Geschoss befindet sich der Community Raum. Er ist ebenerdig und barrierefrei über den breiten Steg und weiter über den Weg an die Almende und den Altbau an der Siemensstr.19 angeschlossen. Ein hoher multifunktionaler Gemeinschaftsraum mit einer Küche (auch für Aussen) sitzt mit seinem grossen Aussenraum unter dem Dach. Die Allmende wird mit dem geräumigen, überdachten Terrassenbereich und dem Community Raum erweitert. Er bietet räumliche Qualitäten, die es so am Honsberg nicht gibt mit einer grosse Terrasse mit Aussicht zum Tal, in den Stadtteilgarten und in die Allmende. Die Aussenbereiche sind als mögliche Orte der Aneignung bewusst offen gelassen. Temporäre Einbauten und Gestaltungen, die den Community-Raum erweitern sind möglich und können im Selbstbau für bestimmte Anlässe erstellt werden.

Der Stadtteilgarten
Eine Holztreppe verlängert die bestehende Verbindung zwischen Siemens- und Halskestrasse in den Stadttteilgarten. Hier gibt es lediglich eine Infrastruktur mit drei Aussichts-Holzplateaus auf unterschiedlichen Höhen, die barrierefrei vom Weg entlang der Schrebergärten aus erschlossen werden können. Man kann grillen, abhängen, picknicken, Ernte sortieren, Garten planen, Schulungen machen etc. Der Rest ist frei mit Hochbeeten, terrassierten Flächen etc. angelegt. 

Zirkuläres Bauen und Matrialisierung
Der Entwurf ist inspiriert von den ortstypischen Merkmalen und Materialien wie Dachformen, Schindeln, Fachwerk, Erker-Balkon, involviert die Nutzer*innen in der Gestaltung zB beim textilen Sonnenschutz und integriert, wo möglich, recycelte, gebrauchte Materialien oder welche, die aus 2.Wahl aus Neuproduktionen stammen zB. Fenster in der Werkstatt, die Türen im Community-Raum, Recycle-Beton. Der modulare Ausbau, die Trennung der Systeme und die Wiedertrennbarkeit der Materialien sind nachhaltig und wirtschaftlich. 
       
Architektur Medine Altiok Architektur, Zürich
Mitarbeit Medine Altiok, Verena Nelles Kempf, Leonard Wertgen, Theresa Bandmann
Tragwerksplanung Carola Görge, Hamburg
Bauherrschaft Montag Stiftung Urbane Räume 
Leistungen Eingeladener Wettbewerb, Ankauf
Zeitraum 2022
Baukosten ca. 1.3 Mio EUR